




Nach der keltischen und römischen Siedlungsperiode wanderten im 5. Jahrhundert nach Christus die Alamannen in das verhältnismäßig immer noch menschenarme Iller-Lech-Gebiet ein, das sich im 6. Jahrhundert der Schutzherrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich unterstellte. Erst im 8. Jahrhundert nahmen die Franken von Alamannien Besitz und an der Stelle der heutigen Kreisstadt entstand ein Königshof, der zur Grafschaft Keltenstein gehörte.
Von den Franken gegründet, kam 1299 der ehemalige Königshof an das Hochstift Augsburg, das der meistbegüterte Grundherr im Markte und in der Pflege Oberdorf war.
Unter der milden Regierung der Fürstbischöfe begann nun für das ganze Gebiet eine ruhige und gedeihliche Entwicklungszeit. Auf Ansuchen des Bischofs erhielt Oberdorf im Jahre 1453 vom Kaiser das Marktrecht verliehen, das seinen Aufstieg weitgehend begünstigte. Mit dieser Erhebung zum Markt war die Verleihung von »Stock und Galgen« verbunden. Oberdorf besaß damit eigene Gerichtsbarkeit und war nun nach dem Erlass der Marktordnung verpflichtet, den Platz zu befestigen. Neben einem Marktgraben, Wall und Palisaden sowie Torhäusern, errichteten die Bürger aber auch in der Mitte des Ortes nach 1453 das erste Rathaus. Der Nachfolgebau von 1723 an gleicher Stelle schmückt mit seiner barocken Fassade heute den Stadtplatz und diente bis 1946 als gemeindlicher Verwaltungssitz.

Bereits 1424 bestand nach urkundlichen Überlieferungen ein Schloss in Oberdorf. Fürstbischof Heinrich von Lichtenau (15051517) ließ einen spätgotischen Neubau ausführen. Dieses Schloss stand bis 1722; dann musste die düstere ernste Gotik dem heiteren Barock weichen. Es entstand der heutige Schlossbau, der den Fürstbischöfen bis zur Säkularisation als Jagdschloss und Sommerresidenz diente. Dann übernahm der Bayerische Staat das Herrschaftsgebäude, und die königlichen Behörden (Landgericht und Rentamt) zogen hier ein.
Unter allen Fürstbischöfen des Hochstiftes Augsburg war es besonders Clemens Wenzeslaus, der der Weiterentwicklung des Marktes seine besondere Förderung angedeihen ließ. Er sorgte für größere Gewerbefreiheit, schützte den Handel, befahl den Bau der Salzstraße von Schongau nach Oberdorf, begründete das Volksschulwesen, ließ Wasserleitungen bauen und regelte die Armenfürsorge. In der kurfürstlichen Grabkapelle des Marktes Oberdorf wurde er 1812 zur letzten Ruhe gebettet.
Durch den Frieden von Lunéville und den Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 kam das Hochstift Augsburg und damit auch die Pflege sowie der Ort Oberdorf an das Kurfürstentum Bayern. Mit den neu erlassenen Gemeinderelikten verlor der Marktort viel von seiner früheren Bedeutung.
Die Umwandlung des fürstbischöflichen Pflegeamtes in ein bayerisches Landgericht und die Errichtung eines Rentamtes erhielten dem Ort aber doch in etwa seinen bisherigen Vorrang.
Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz, der nach langen Verhandlungen 1876 erfolgte, veränderte sich die vorher rein landwirtschaftlich ausgerichtete Struktur des Ortes zugunsten der immer stärker vorwärtsdrängenden technischen Betriebe und der aufkommenden Industrie. Während Marktoberdorf am Endes des Zweiten Weltkrieges rund 2800 Einwohner hatte, stieg die Bevölkerungszahl nicht zuletzt durch den starken Zuzug von Neubürgern aus den Ostgebieten stark an. Es wurden neue Arbeitsplätze durch Handwerk und Industrie geschaffen, neue Wohngebiete entstanden und 1953 hatte Marktoberdorf 5633 Einwohner.
Durch den Bayerischen Innenminister Wilhelm Högner wurde Marktoberdorf am 17.7.1953 zur Stadt erhoben. Gleichzeitig war Marktoberdorf Sitz des damaligen Landkreises. 1967 wurde die 10.000ste Bürgerin registriert.
Mit der im Freistaat Bayern durchgeführten Gebietsreform vergrößerte sich das Stadtgebiet von bisher 19 km² um die bisher selbständigen Gemeinden Bertoldshofen, Geisenried, Rieder, Sulzschneid und Thalhofen auf 80 km² und erreichte damit die Einwohnerzahl von 14.162 (1972).
1978 kam die damalige selbständige Gemeinde Leuterschach mit 15 km² und 1079 Einwohnern hinzu und Marktoberdorf hatte nunmehr eine Gesamtbevölkerungszahl von 15.534 Einwohnern und 95 km².
Gleichzeitig wurde Marktoberdorf Kreisstadt des neugebildeten Landkreises Ostallgäu und damit kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landkreises. 2006 hat Marktoberdorf nun 18.466 Einwohner, verfügt über alle kommunalen Einrichtungen, wie eine vollbiologische Kläranlage, zentrale Wasserversorgung und 11 städtische Kindergärten. Marktoberdorf ist eine Schulstadt geworden, mit 4 Grundschulen, einer Verbandshauptschule, einer Realschule, einem Gymnasium mit Internat, der Berufsschule Ostallgäu, der Berufsfachschule für Hauswirtschaft, einer städtische Sing- und Musikschule und der Don-Bosco-Schule, einem sonderpädagogischen Förderzentrum. Es sind ausreichende Sportanlagen und Mehrzweckhallen sowie das 1965 erbaute und 1992/93 sanierte Hallen- und Freibad mit Sauna und Beachvolleyballplatz vorhanden.
Im früheren kurfürstlichen Schloss ist seit 1984 die Bayerische Musikakademie untergebracht. 1983 wurde das Veranstaltungshaus MODEON eröffnet und 1989 die Gesamtanlage des neuen Rathauses mit allen städtischen Einrichtungen und Tiefgarage der Öffentlichkeit vorgestellt.
Marktoberdorf besitzt das »Heimatmuseum« im Hartmannhaus, das »Stadtmuseum«, das »Paul-Röder-Museum«, sowie das einzige »Riesengebirgsmuseum« in Deutschland, alle im »Martinsheim«, und ein modernes »Künstlerhaus«.
Eine gesunde wirtschaftliche Struktur zwischen Landwirtschaft, Handwerk und Industrie bei bester Beschäftigungslage und ein reges Vereinsleben mit ca. 150 Vereinen prägen das kulturelle und sportliche Bild unserer Stadt weit über ihre Grenzen hinaus.
Marktoberdorf ist Patenstadt für die Stadt und den ehemaligen Landkreis Hohenelbe (Riesengebirge) und Partnerstadt von Waldmünchen (Oberpfalz).