Museen

Stadtmuseum

Öffnungszeiten:

Mi 14:00-16:00 Uhr
So 10:00-12:00 und 14:00-16:00 Uhr

 

Führungen nach telefonischer Vereinbarung.

 

Anschrift:

Eberle-Kögl-Straße 11

87616 Marktoberdorf

Stadtmuseum

Frau Berger

Tel.: 08342 4008-81
Fax: 08342 4008-65
E-Mail: j.berger@marktoberdorf.de

Das Taufkleid des Fürstbischofs

Nur ein unscheinbares Stück Stoff. Und doch bedeutsam für das Gedächtnis der Stadt: das Taufkleid von Clemens Wenzeslaus – der einst Kurfürst war, mit drei französischen Königen verwandt und berechtigt, den Kaiser zu wählen. Im Spreizschritt zwischen Feudalismus und Aufklärung. Für den letzten Augsburger Fürstbischof war Marktoberdorf Sommerresidenz. Er liebte die Jagd, die Musik und das Theater. Von seinen politischen Entscheidungen profitiert Marktoberdorf bis heute. So wird aus einem brüchigen Stück Stoff ein bedeutendes Exponat. Man sieht nur, was man weiß. Erinnerung lebendig zu halten, dafür ist ein Stadtmuseum da!

 

Clemens Wenzeslaus und seine „Sommerfrische“ Marktoberdorf. Ohne die Förderung des „hohen Herrn“ hätte Marktoberdorf den Aufschwung zur Kreisstadt nicht geschafft. Und das „modernste Traktorenwerk der Welt“ (Fendt) wäre ohne gute Verkehrswege undenkbar.

 

Der fürstbischöfliche Hofschreiner Markus Brenner war der Vater von Genovefa Brenner, die später zur Mutter des Komponisten Carl-Maria von Weber und zu einer Großtante Mozarts wurde. Dass Marktoberdorf Schulzentrum ist, reich an vielfältigen Kulturangeboten, und dass aus dem Schloss die Bayerische Musikakademie wurde, das alles ist kein Zufall.

 

Das Stadtmuseum macht die Geschichte Marktoberdorfs anschaulich. In gefälligen Portionen verdaubar. Das römische Leben in einer Villa Rustica bei Kohlhunden, die vergessene Welt der Alamannen: der Blick in ein Männergrab des 6./7. Jahrhunderts. Werkzeuge, Kultgefäße, Grabbeigaben sind es hier, die Geschichte bunt und „begreifbar“ machen.

 

Heimat, das ist ja auch die Summe der Erinnerungen. Und deren viele Mosaiksteine eigener Identität findet der Besucher – ob Urlauber oder Einheimischer – auf 380 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 18 Räumen. Von der Verleihung des Marktrechts zur Stadterhebung. Verblüffende Inszenierungen wandeln das Museum zum Erlebnisraum.

 

Volksschulwesen, Wasserleitungen, Armenfürsorge: immer wieder – wie ein roter Faden – Fürstbischof Clemens Wenzeslaus: er sorgte für Gewerbefreiheit, schützte den Handel und befahl den Bau der Salzstraße. Erste Weichenstellung für die spätere Eisenbahnanbindung. Die Mode des 19. und 20. Jahrhunderts kommt zur Geltung, bürgerlich-bäuerliches Leben.

 

Der Jakobsweg München-Bodensee wird inszeniert: Im Abschnitt Marktoberdorf-Wald stößt man oberhalb des Ettwieser Weihers auf die Kindleskapelle: Mütter beten hier seit mehr als 300 Jahren für ihre Kinder. Sagen, Legenden, Wunder ranken sich um einen Andachtsort; ein beredtes Beispiel für Volksfrömmigkeit.   

Ein Zugpferd der Zeitreise durch das Museum ist das legendäre „Dieselross F 18“, Baujahr 1949, der Marktoberdorfer Weltfirma AGCO-Fendt; Exponate der alten Turmuhrenfabrik und die Thalhofener Ziegelindustrie sind Marksteine der Industrialisierung.

 

Transmissionen waren bis weit ins 20. Jahrhundert gebräuchlicher Antrieb für Reiben, Sägen oder Hämmer. Lederriemen, die über Umlenkungen laufen und verblüffende, mechanische Funktionen auslösen. Genauso funktioniert die berühmte „Spöttl-Krippe“ aus Fechsen, die in der Weihnachtszeit im Stadtmuseum zu bewundern ist. 80 Figuren bewegen sich – wie von Geisterhand - in liebevoll inszenierter Landschaft. Oben sieht man den Stall von Bethlehem, mit Ochs und Esel, den exotischen Zug der Heiligen Drei Könige; Unter dem offen sichtbaren Geschehen verbirgt sich ein wahres Wunderwerk an Gummizügen, Kurbeln und Rädern.

 

Eltern und Lehrer schätzen das museumspädagogische Konzept. „Schreiben wie Clemens Wenzeslaus“ – mit der Feder, oder „Waschen wie vor 100 Jahren“, da kann man’s rumpeln lassen. Bei derart unterhaltsamer Wissensvermittlung bleibt auch richtig was hängen.